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Pianist mit weicher Seele
Das Publikum in der Villa Bosch
wagte kaum zu atmen. Der begnadete Pianist Bela Hartmann verzauberte die
staunende Zuhörerschaft mit seiner virtuosen Kunst am Klavier. Der bei
London lebende Künstler hatte sich ein sehr ungewöhnliches Programm mit
Werken von Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Franz Schubert, Franz Liszt
und Robert Schumann ausgewählt. Außergewöhnlich waren die fünf Klavierstücke
des 2007 verstorbenen Tschechen Petr Eben, der sie 1991 nach Briefen von
Franz Kafka an Milena komponiert hatte. Auch die drei böhmischen Tänze von
Bedrich Smetana waren eine Reminiszenz an seine tschechisch-deutsche
Herkunft.
Der 1971 in Stuttgart geborene
Bela Hartmann wuchs nach der Scheidung der Eltern bei seiner tschechischen
Mutter in München auf, wo er unter anderem bei Vadim Suchanov und Nicolas
Economou studierte. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren begann Hartmann
Klavier zu spielen und trat bereits mit acht Jahren vor Publikum auf. Viele
internationale Preise wie 1995 der Intercollegiate Beethoven Prize, London,
und 1997 der Internationale Schubert Wettbewerb, Dortmund, folgten. In
London studierte er am Trinity College bei John Bingham. 1998 beendete er
sein Studium in München bei Elisso Wirssaladse.
In der Villa Bosch gab sich Bela
Hartmann seinem Spiel vollständig hin. Mit meist geschlossenen Augen, den
Kopf nach vorne geneigt, schien er die Musik der Tasten geradezu zu
erspüren. Jeder angeschlagene Ton berührte die Seele und wurde durch ihn mit
Leben erfüllt. Virtuos wechselte er die Tempi, dabei flogen seine Hände –
auch über Kreuz – über die Klaviertasten. Die ganz leisen Töne beherrschte
er grandios. Sie klangen nach einer gefühlvollen, nach innen gerichteten
Welt, die er durch die Musik transformierte.
Beeindruckend expressiv ließ
Bela Hartmann bei den Klavierstücken des 2007 verstorbenen Petr Eben seine
große Kunst erkennen, wie auch nur einzeln angeschlagene Töne gekonnt
künstlerisch klingen können. So mancher erstaunte Gast reckte den Hals, um
in diesen Momenten auf Bela Hartmanns Hände sehen zu können. Der
variationsreiche Anschlag der Tasten scheint das Geheimnis des Pianisten zu
sein. Er beherrscht ihn von ganz sanft bis zärtlich über einen wilden
Trommelwirbel bis hin zum harten, lauten Anschlag. Präzision, Technik, volle
Konzentration und viel inneres Gefühl nach außen transportiert, waren immer
mit dabei. So entließ er ein hochzufriedenes und verzücktes Publikum in die
Nacht.
Corinna S. Heyn, Südkurier 4.11.2008 |